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„Mit PVB-Materialien erreicht der 3D-Druck die nächste Evolutionsstufe“

PVB-Druckfilamente wie auf Basis von Mowital schaffen höhere Qualität und Leistungsfähigkeit im 3D-Druck. Dr. Florian Mummy, Laborleiter in der Forschung und Entwicklung bei Kuraray, im Interview.


Hattersheim/Frankfurt am Main, März 2019. PVB-Druckfilamente wie auf Basis von Mowital bringen gegenüber Filamenten aus PLA und ABS deutliche Vorteile für den 3D-Druck – heute und in Zukunft. Dr. Florian Mummy ist Laborleiter in der Forschung und Entwicklung bei Kuraray, einem der weltweit führenden Spezialchemie-Hersteller. Im Interview erläutert er, wie Filamente auf PVB-Basis Prozesse und Qualität im 3D-Druck maßgeblich verbessern. Sie schaffen mit ihren einzigartigen Eigenschaften die Grundlage für die Fertigung von morgen – und schonen gleichzeitig die Umwelt.

Weitere Entwicklungsstufe im 3D-Druck

Herr Dr. Mummy, welche Entwicklungen erwarten Sie für den 3D-Druck der Zukunft?

Dr. Florian Mummy: Wir befinden uns aktuell in der zweiten von drei Evolutionsphasen. In der Vergangenheit wurde der 3D-Druck bevorzugt bei der Entwicklung zur schnellen Fertigung von Prototypen eingesetzt. Heute stellen Unternehmen bereits einzelne funktionelle Bauteile für Endanwendungen in Serie mit dem 3D-Drucker her. In Zukunft wird die Additive Fertigung zu einem Standard in der Industrie 4.0. Kundenspezifische Produkte, die im industriellen Maßstab mit 3D-Druckern hergestellt werden, gehören dann zum Alltag. Aktuell sind wir davon jedoch noch ein Stück entfernt.

Da gibt es sicher noch einige Herausforderungen zu lösen?
Mummy: Ja, denn beim Schritt hin zur Massenproduktion geht es vor allem darum, Qualität und Reproduzierbarkeit des 3D-Drucks zu verbessern. Ziel ist es, das Qualitätsniveau zu erreichen, das wir vom Spritzguss kennen. Eine Schwierigkeit dabei ist, sicher vorauszusagen, welche mechanische Leistungsfähigkeit die gedruckten Teile haben. Der Grund dafür: Das Druckmaterial (Filament) wird technologiebedingt lagenweise aufge¬bracht. Kommt es zu Haftungsproblemen zwischen einzelnen Schichten führt dies zum Versagen des Bauteils. Bei den häufig verwendeten Druckfilamenten auf Basis von Polylactid (PLA) oder Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer (ABS) ist diese Problematik bekannt. Druckmaterialien, die anteilig oder komplett aus Polyvinylbutyral (PVB) wie beispielsweise Mowital bestehen, sind hier im Vorteil.

Welche Vorteile bringt Mowital® für den 3D-Druck?
Mummy: Mit Druckfilamenten auf Basis von Mowital lassen sich 3D-gedruckte Objekte herstellen, die eine höhere mechanische Belastung aushalten. Insbesondere Steifigkeit und Bruchfestigkeit lassen sich mit dem Material steigern. Mowital verfügt über hervorragende Haftungseigenschaften – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die einzelnen Druckschichten dauerhaft zusammen-halten. Ein weiterer Vorteil des Materials ist, dass es gesundheitlich unbedenklich ist. Beim Verdrucken eines Mowital-basierten Druckfilaments entstehen nahezu keine Emissionen und unangenehme Gerüche. Zudem lassen sich mit PVB-Druckfilamenten sehr hochwertige Oberflächen herstellen.

Wie funktioniert das genau?
Mummy: Die Oberflächen von Objekten aus dem 3D-Drucker sind aufgrund der vielen Schichten zunächst rau. Für eine glatte Oberfläche erhalten sie eine spezielle Form des Polishing. Dabei werden die Oberflächen der 3D-Drucke mit einem Aerosol aus winzigen Alkoholtröpfchen besprüht. Die einzelnen Schichten verbinden sich miteinander und verfestigen so gleichzeitig das gedruckte Objekt im Ganzen. Es entsteht eine optisch sehr ansprechende, glatte und zugleich glänzende Oberfläche. Im Gegensatz zu den gängigen Filamenten aus PLA und ABS lässt sich bei Mowital-basierten Druckfilamenten umweltschonendes und gesundheitlich unbedenkliches Ethanol als Aerosolgeber verwenden. Bei reinen PLA-Filamenten sind glatte Oberflächen mittels Polishing gar nicht möglich. Und anders als das narkotisch wirkende Aceton, das bei ABS-Filamenten verwendet wird, ermöglicht Ethanol eine wesentlich präzisere Steuerung des Polishing und damit eine höhere Qualität.

Glatte Oberflächen für schicke Designerprodukte?
Mummy:
Ganz genau, und es gibt noch mehr Anwendungen: hochwertige Verpackungen beispielsweise für Kosmetikprodukte. Hierbei ist auch der einzigartig geringe Gelbwert des Materials von Vorteil. Er ermöglicht es, das Druckfilament präzise und qualitativ hochwertig einzufärben, für das perfekte Design. Auch bei vielen technischen Anwendungen werden sehr glatte und exakte Oberflächen benötigt, um beispielsweise die optimale Passgenauigkeit von Bauteilen sicherzustellen. Mowital könnte damit in Zukunft helfen, Herausforderungen in Luft- und Raumfahrttechnik, Maschinenbau und in der Halbleitertechnologie zu lösen.

Mowital® ist kompatibel mit vielen Polymeren. Wie lässt sich diese Eigenschaft im 3D-Druck nutzen?
Mummy:Die Kompatibilität der als Druckfilament eingesetzten Polymere ist entscheidend dafür, wie gut Objekte zusammenhalten, die aus verschiedenen Materialien gefertigt sind. Mowital ist kompatibel mit einer Vielzahl an Polymeren. Dies ermöglicht ganz neue Materialkombinationen. In unserer Forschung und Entwicklung am Kuraray-Standort im Industriepark Höchst haben wir ein eigenes 3D-Drucklabor, in dem wir mit den Kollegen von POVAL Filamente auf Basis von PVA und PVB weiterentwickeln und testen. Bei den Tests hat sich beispielsweise gezeigt, dass PVB-Druckfilamente sehr gute Ergebnisse in Kombination mit MowiflexTM 3D 2000 erzielen.

Also mit dem Stützfilament von Kuraray auf PVA-Basis…
Mummy: Ja, mit Mowiflex 3D 2000 bietet Kuraray seit einiger Zeit ein eigenes 3D-Druckfilament an. Mit dem Material auf PVA-Basis lassen sich Stützstrukturen für komplexe, filigrane und überhängende Objekte drucken. Das Besondere: Mowiflex 3D 2000 ist wasserlöslich und lässt sich nach dem Druck einfach mit Wasser abwaschen, ohne dass an den Kontaktpunkten Spuren zurückbleiben. PVA ist auch der Rohstoff, aus dem Mowital gewonnen wird.

Daher die gute Kompatibilität?
Mummy: Genau. Druckfilamente auf Basis von Mowital, beispielsweise Polysmooth vom Filamenthersteller Polymaker, und unser eigenes Filament Mowiflex 3D 2000 haften sehr gut aneinander. In dieser Kombination können die Materialien ihr volles Potential ausspielen und liefern eine hervorragende Druckqualität. Es entstehen beispielsweise keine Fehlstellen aufgrund von Stützmaterial, das nicht ausreichend am Druckfilament haftet.

Druckfilamente auf PVB-Basis sind bisher noch Nischenprodukte. Wird sich das ändern?
Mummy: Da bin ich mir sicher. Ich erwarte, dass PVB-Materialien in Zukunft im 3D-Druck deutlich an Bedeutung gewinnen. Die Vorteile, die Druckfilamente etwa auf Mowital-Basis bieten, sind enorm. Das Material ermöglicht eine höhere Qualität und macht die Fertigungsmethode gleichzeitig sicherer und einfacher. Mit den herausragenden Materialeigenschaften schaffen wir Lösungen für den 3D-Druck von morgen.


Dr. Florian Mummy leitet seit 2013 das Labor für Forschung und Entwicklung im Geschäftsbereich Mowital bei Kuraray, einem der weltweit führenden Spezialchemieunternehmen mit Sitz in Tokio und Europasitz in Hattersheim. Im Industriepark Höchst in Frankfurt am Main arbeitet Dr. Florian Mummy mit seinem Team an der Entwicklung leistungsfähiger PVB-Materialien, die perfekt auf unterschiedliche technische Anwendungsbereiche zugeschnitten sind. Dazu zählen Bindemittel für Farben, Lacke und Beschichtungen bis hin zu Klebstoffen, Folien sowie Materialien für die Additive Fertigung.


3D-Druckfilamente: Von wasserlöslich bis hochleistungsfähig
Die PVB-Materialien Mowital sowie die PVA-Harze Mowiflex lösen mit ihren hervorragenden chemischen und mechanischen Eigenschaften aktuelle Herausforderungen im 3D-Druck. Als leistungsfähiges Druckfilament und wasserlösliches Stützmaterial eröffnen sie neue Möglichkeiten für den 3D-Druck bis hin zur industriellen Fertigung: Mowital® – für glatte Oberflächen und mechanische Leistungsfähigkeit

  • Die Polyvinylbutyrale Mowital von Kuraray besitzen herausragende Hafteigenschaften. Mit Druckfilamenten auf Mowital-Basis lassen sich funktionale Teile herstellen, die eine hohe mechanische Belastung aushalten – mit sehr guter Bruchfestigkeit und Steifigkeit
  • Zudem ermöglicht Mowital die Herstellung sehr hochwertiger, glatter Oberflächen für Designobjekte oder technische Einsätze etwa in der Luft und Raumfahrt
  • Mowital ist kompatibel mit zahlreichen Lösungsmitteln. Bei der Oberflächenveredlung der 3D-Drucke mittels Polishing lässt sich gesundheitlich unbedenkliches Ethanol als Lösungsmittel nutzen
  • Zudem ist Mowital frei von Verunreinigungen. Beim Verdrucken von Filamenten auf Mowital-Basis entstehen nur minimale Emissionen und unangenehme Gerüche
  • Druckfilamente auf Mowital-Basis etwa Polysmooth vom Filamenthersteller Polymaker sind sehr gut kompatibel mit dem wasserlöslichen Stützfilament Mowiflex 3D 2000 von Kuraray – für optimale Druckergebnisse

Mowiflex 3D 2000 – wasserlöslich für komplexe Strukturen

  • Mit Mowiflex 3D 2000 bietet Kuraray ein eigenes 3D-Druck-Filament auf PVA-Basis
  • Mit dem wasserlöslichen Polymerblend lassen sich Stützstrukturen für komplexe, filigrane oder überhängende Formen oder bewegliche Teile drucken
  • Nach dem Druckvorgang können die Stützstrukturen aus dem Material einfach mit Wasser abgewaschen werden, ohne dass Kontaktspuren am Druckobjekt zurückbleiben
  • Ein weiterer Vorteil: das aufgelöste Material ist biologisch abbaubar und lässt sich einfach über das Abwasser entsorgen

Dr. Florian Mummy
„Druckfilamente auf Basis von PVB-Materialien wie Mowital liefern die Grundlage dafür, dass sich der 3D-Druck zu einem industriellen Produktionsstandard entwickeln kann“, betont Dr. Florian Mummy, Laborleiter Forschung und Entwicklung beim Spezialchemie-Hersteller Kuraray. „Mit ihren exzellenten Hafteigen¬schaften ermöglichen die Materilien, leistungsfähige Bauteile etwa für Maschinen herzustellen.“

Mowiflex SumoMowiflex Sumo
„Objekte aus dem 3D-Drucker sind zunächst rau. Besprüht mit einem Aerosol aus winzigen Alkoholtröpfchen erhalten die Objekte beim Poloshing ihren letzten Schliff“, sagt Dr. Florian Mummy, Laborleiter Forschung und Entwicklung Mowital bei Kuraray. „Mit Druckfilamenten auf PVB-Basis lässt sich das Polishing sehr präzise steuern – für hochwertige Oberflächen von Designobjekten bis hin zu technischen Anwendungen etwa in der Luft- und Raumfahrt.“

Über Kuraray
Die Kuraray Europe GmbH wurde 1991 gegründet. Sie hat ihren Hauptsitz in Hattersheim bei Frankfurt am Main und erwirtschaftete 2016 einen Jahresumsatz von über 600 Millionen Euro. Bundesweit sind 760 Mitarbeiter an den Standorten Hattersheim, Frankfurt und Troisdorf für Kuraray im Einsatz. Kuraray ist ein weltweit tätiges Spezialchemie-Unternehmen und zählt zu den größten Anbietern von Polymeren und synthetischen Mikrofasern für viele Industriezweige, wie zum Beispiel KURARAY POVAL™, Mowital®, MOWIFLEX™, Trosifol® oder CLEARFIL™. Hinzukommen weitere rund 100 Mitarbeiter an sechs europäischen Standorten, die sich ebenfalls um die Entwicklung und Anwendung innovativer Hochleistungsmaterialien für zahlreiche Branchen wie die Automobil-, Papier-, Glas- und Verpackungsindustrie sowie für Architekten oder Zahnärzte kümmern.

Kuraray Europe ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der japanischen börsennotierten Kuraray Co., Ltd., mit Hauptsitz in Tokio, über 9.000 Mitarbeitern weltweit und einem Umsatz von über 4 Milliarden Euro.

Diese Presseinformation samt Bildmaterial finden Sie auch im Internet unter: www.kuraray.eu/presse/

Dr. Bettina Plaumann
Head of KEG Communications & Marketing
Kuraray Europe GmbH
Philipp-Reis-Straße 4 65795
Hattersheim am Main
Tel.: +49 69 305 85797
E-Mail: Bettina.Plaumann@kuraray.com 
Internet: www.kuraray.eu 
www.elastomer.kuraray.com 

Christopher Kampfmann
Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation (Agency for Business and Online Communication)
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63263 Neu-Isenburg
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